Jedes Jahr stellt sich Guillaume Lété derselben Herausforderung: Er fügt dieselben drei Grands Crus zusammen, um Triptyque, die Jahrgangscuvée des Hauses Champagne Barons de Rothschild, entstehen zu lassen. Der Jahrgang 2019, zunächst von Frost und dann von großer Hitze geprägt, wird damit ebenso zu einer Art Klimaaufzeichnung wie zu einem Wein.
Es gibt Cuvées, die nach Beständigkeit streben, und andere, die bereit sind, die Spuren eines jeden Jahres zu tragen. Triptyque gehört zur zweiten Kategorie. Inspiriert von den großen Weinen der Familie Rothschild, wagt diese Cuvée des Hauses Champagne Barons de Rothschild einen scheinbaren Widerspruch: Jahr für Jahr dieselbe Assemblage aus den drei Grands Crus Avize, Ambonnay und Aÿ zu wiederholen, die wegen ihrer dem Stil des Hauses entsprechenden Ergänzung ausgewählt wurden, und zugleich dem Jahrgang vollen Ausdruck zu geben. Guillaume Lété, der für ihre Bereitung verantwortlich zeichnet, macht daraus eher eine Übung in Präzision als in reiner Kreativität: dieselbe Partitur, jedes Mal von einem anderen Klima gespielt.
Triptyque unterscheidet sich innerhalb der Produktion des Hauses auch durch seinen Ausbau: Als einziger Wein wird er zu 100 % in Edelstahltanks vinifiziert und ausgebaut und setzt damit auf Spannung und aromatische Präzision statt auf Holznoten. Diese technische Entscheidung macht ihn, in den Worten des Hauses, zu einer Art Fotografie des Jahrgangs, die die klimatischen Schwankungen der drei verschnittenen Terroirs unverstellt wiedergibt.
Der Jahrgang 2019 liefert reichlich Stoff für diese Fotografie. Nach einem milden, sonnigen Winter und einem regenreichen Frühjahr litt er zunächst unter Frostperioden, besonders in Avize auf den Chardonnay-Parzellen der Assemblage. Der folgende Sommer brachte ebenfalls keine Beständigkeit: Heiß und trocken, erlebte er Hitzewellen von einer für die Region beispiellosen Intensität, bevor rettende Regenfälle Ende Juli die Reifung der Trauben in letzter Minute wieder in Gang brachten. Die Mitte September begonnene Lese ergab eine mengenmäßig moderate Ernte, die sich jedoch durch bemerkenswerte Konzentration und aromatische Spannung auszeichnete.
Genau diese Spannung zwischen klimatischer Widrigkeit und dem Versprechen von Ausgewogenheit soll Triptyque 2019 am Gaumen vermitteln. Jahrgangschampagner übernimmt seinem Wesen nach stets diese Zeugenrolle: Er versucht nicht, die Unwägbarkeiten eines Jahres auszulöschen, sondern sie in eine abschließende Balance einzubinden. Da extreme Wetterereignisse in der Champagne immer häufiger wiederkehren — Frühlingsfrost auf der einen, sommerliche Hitzewellen auf der anderen Seite — gewinnt diese Zeugnisfunktion besondere Bedeutung: Jeder Jahrgang wird mehr und mehr zum Archiv des Klimawandels und zugleich zu einer önologischen Leistung.
Triptyque 2019 wird in der 75-cl-Flasche für 103 Euro angeboten und ist im Online-Shop des Hauses, im Weinfachhandel und in der Gastronomie erhältlich. Über das Produkt hinaus fällt die Idee eines Weins als Momentaufnahme ins Auge: eine Cuvée, die nicht vorgibt, das Klima zu beherrschen, sondern sich dafür entscheidet, dessen Erinnerung zu bewahren — Glas für Glas, Jahrgang für Jahrgang.


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