Am Abend einer Vernissage oder eines Sommerdinners hängt man sein Sakko fast immer über eine Stuhllehne. Dann bleiben nur ein Hemd, eine Hose und einige Details, und allein auf ihnen beruht die Wirkung des Outfits.
Lange auf den Rang von Unterwäsche verwiesen, wird das Hemd heute gern allein getragen, und einige gut durchdachte Kombinationen genügen, um ganz auf den Anzug zu verzichten.

Mit Bundfaltenhose: Strenge ohne Sakko
Dies ist die dem Anzug nächste Kombination und paradoxerweise die anspruchsvollste. Ohne Sakko, das die Schultern strukturiert, kommt alles auf ein gut geschnittenes Hemd an: Schulternähte, die genau am Schulterrand sitzen, Ärmel, die am Handansatz enden, Hemdschöße, die lang genug sind, um beim Heben der Arme in der Hose zu bleiben. In eine Hose aus grauem Flanell oder Kaltwolle gesteckt, ergibt ein weißer oder hellblauer Popeline ein Outfit von großer Schlichtheit, ergänzt durch einen glatten Ledergürtel und passende Loafer.
Das Musée de la Chemiserie in Argenton-sur-Creuse erinnert im Übrigen daran, dass sich das Hemd im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat, „um heute ein Kleidungsstück zu werden, das sich zeigt“. Allein getragen verdient es daher dieselbe Sorgfalt wie ein Sakko: ein klarer Kragen, gebügelte Manschetten, keine Schrankfalte auf der Vorderseite.
Mit Raw Denim: ein Hemd mit Struktur
Zu Jeans ist ein Stoff mit Struktur besser. Ein Oxford mit Button-down-Kragen, weiß oder himmelblau, hat gegenüber dem Denim genau die richtige Textur, ohne je sonntäglich gekleidet zu wirken. Die Ärmel werden zweimal über dem Handgelenk umgeschlagen, und bei den Schuhen bleibt man im selben Register: Stiefeletten aus Veloursleder oder Derbys mit dicker Sohle.
Nur eine Regel: zwei identische Blautöne vermeiden, denn ein Hemd und eine Jeans im selben Farbton verschwimmen schon auf wenige Meter Entfernung.
Unter Strick: der Kragen im Blick
In der Übergangszeit schlüpft das Hemd gern unter einen Rundhalspullover oder eine feine Strickjacke aus Merino oder Baumwolle. Nur der Kragen und einige Millimeter der Manschette schauen hervor: genug, um ein Strickteil zu kleiden, das allein zu schlicht wirken würde.
Die Wahl des Kragens ist hier wichtiger als die des Stoffes: Ein italienischer Kragen oder ein Button-down-Kragen hält unter dem Ausschnitt eines Pullovers besser als ein weicher Kragen, der zum Einfallen neigt.
Offen, wie ein Overshirt
Die letzte und sommerlichste Freiheit: das Hemd ganz offen über einem dicken weißen T-Shirt tragen. Leinen eignet sich von Natur aus für dieses Spiel, ebenso Flanell ab dem Herbst, und das Outfit erhält eine lässige Note, die mit der Bürogarderobe nichts mehr zu tun hat.
Die Hemdschöße bleiben frei, die Ärmel leicht hochgekrempelt, und ein etwas weiterer Schnitt als gewöhnlich lässt den Stoff fallen, ohne an den Schultern zu ziehen.
Lesen Sie auch auf Luxsure: AMBUSH entwirft eine Garderobe für das urbane Umherstreifen · 5000 Frühjahr-Sommer 2027: Taylor Thompson macht das Exil zu einer Grammatik · Alberto Zambelli baut einen Raum um den Körper · Roberto Baggio in den Archiven von C.P. Company, ein Film statt einer Kampagne
Cette publication est également disponible en :
