Bis zum 31. Oktober präsentiert SCAD FASH Lacoste erstmals in Frankreich die Kleidung, die André Leon Talley der Universität vermacht hat, die er viele Jahre lang beriet. Ein Detail der Ausstellungsgestaltung verändert den Blick auf diese Stücke.
Die Silhouetten der Ausstellung werden nicht auf seriengefertigten Schaufensterfiguren gezeigt. Laut SCAD werden sie auf eigens angefertigten Figuren präsentiert, die auf einer Skulptur von Talley beruhen. Sie stammt von Stephen Hayes, einem ehemaligen Studenten der Universität (Master in Bildhauerei, 2010). In einem Modemuseum soll der Träger der Kleidung gewöhnlich in den Hintergrund treten. Hier bildet er den Körper des Menschen nach, der die Kleidung ausgewählt hat. So lässt sich jedes Stück zuerst als Entscheidung Talleys lesen und erst danach als Zeugnis einer Epoche.
Diese Entscheidungen decken ein weites Feld ab. Die Ausstellung vereint Haute Couture, Prêt-à-porter und maßgefertigte Ensembles von Karl Lagerfeld für Chanel, Nicolas Ghesquière für Balenciaga und John Galliano für Dior, aber auch von Chado Ralph Rucci, Roger Vivier, Yves Saint Laurent, Charvet und Hermès. Zwei Stücke sind in den Bildern der Ausstellung dokumentiert: ein Chanel-Cape von Lagerfeld aus scharlachrotem Seidentaft und ein Kaftan von Ralph Rucci, getragen mit einer Kette von Accessocraft NYC. Beide wurden von Allen Cooley fotografiert, ebenfalls einem ehemaligen SCAD-Studenten. Hinzu kommen Kleider, die Menschen aus Talleys Umfeld getragen haben, darunter Anna Wintour, Renée Zellweger und Lauren Santo Domingo, sowie Kunstwerke, Fotografien, Briefe und Bücher aus seinem Archiv.
Der französische Kontext ist keineswegs nebensächlich. Talley wuchs in Durham in North Carolina auf und wurde von seiner Großmutter erzogen. Er studierte französische Literatur an der University of North Carolina und anschließend an der Brown University. In New York arbeitete er an der Seite von Diana Vreeland am Costume Institute des Metropolitan Museum of Art, bevor er das Pariser Büro von Women’s Wear Daily leitete. Laut SCAD wurde er anschließend der erste schwarze Art-Direktor der amerikanischen Vogue. Seine Garderobe in Frankreich zu zeigen, bedeutet, sie zu einer Sprache und einer Couture-Tradition zurückzuführen, die er studiert hatte, bevor er dort arbeitete.
Das Vermächtnis hat auch eine Bestimmung. Die Stücke gehen in die ständige Sammlung von SCAD ein, wo sie Studierenden und Forschenden dienen werden. Im Begleittext berichtet Präsidentin Paula Wallace, Talley habe dieses Ensemble „seine Rüstung“ und seinen „Tabernakel“ genannt und sich gewünscht, dass es bei SCAD bleibe. Das ist die Position der Universität und erklärt, warum die Form der Schaufensterfigur wichtig ist: Eine für die Lehre bestimmte Sammlung lässt sich besser erschließen, wenn sie die Spuren des Menschen bewahrt, der sie zusammengestellt hat.


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