Es gibt jene, die vom Urlaub träumen, und jene, die beim ersten Anzeichen von Dünung ihr Büro verlassen und zum Wasser eilen. Dieser zweiten Gruppe widmet die Maison J.SIMONE ihre Kollektion Frühjahr/Sommer 2027 mit dem Namen Uluwatu, präsentiert auf dem Rooftop des Bonnie in Paris, nach dem Erfolg einer früheren Sommerkooperation im SO/ Paris.
Die beschworene Bildwelt ist die des Surfens der 1970er Jahre, jenes goldenen Zeitalters, in dem die Disziplin sich demokratisiert, radikalisiert und zu einer eigenen Sprache wird. Eine sonnige Epoche, getragen vom Wunsch nach Emanzipation, in der jedes Brett nach dem Bild dessen geformt wird, der es reitet: klare Farben, freie Muster, eigenwillige Formen. Für Begeisterte, so die Maison, verlässt das Surfen den Kopf nie ganz, und der Ozean tritt am Ende immer in den Alltag über, und sei es, dass man auf einem Parkplatz den Anzug gegen einen Neoprenanzug tauscht und sich so gut es geht hinter einem Handtuch verbirgt.
Genau diesen Zwischenraum kleidet J.SIMONE ein: einen intimen Moment des Übergangs, in dem man spontan wählt, sich zu zeigen oder zu bedecken, in dem die Corporate-Welt der Arbeit auf die freie Welt des Ozeans trifft. Aus dieser Begegnung entsteht eine hybride Garderobe. Das Surf-T-Shirt wird länger, bis es zum Kleid wird, und kreuzt eine Krawatte, als weigere sich das Büro, hinter dem Ruf der Wellen zu verschwinden. Das Strandtuch, Komplize spontaner Umzieh-Momente, wird ebenfalls zum vollwertigen Kleidungsstück.
Die Kollektion wird um eine Zusammenarbeit mit T&C bereichert, einer Symbolfigur der Surfkultur, rund um zwei vollständige Looks und ein eigens für diesen Anlass entworfenes Brett, eine Art, die Garderobe noch stärker im visuellen Erbe der Disziplin zu verankern. Die Accessoires führen dieses Universum mit einer Kooperation mit Domestique fort. Ihrem Humor treu, wendet die Maison die erwartbarsten Symbole des Surfens ins Gegenteil (Haizähne, Hibiskus, Palmen, Wachs, Bodysurf-Flossen) und stellt daraus ein regelrechtes Starter-Pack zusammen, schräg und neu erfunden.
Dieser Rückgriff auf Humor und Umdeutung ist in einer Branche nicht neutral, in der Surf-Inspiration meist zu einer wörtlich genommenen Ästhetik führt, zwischen tropischen Prints und buchstäblichen Anspielungen auf die 1970er. Indem J.SIMONE diese Symbole als ein neu zusammenzusetzendes Vokabular behandelt, statt sie unverändert zu zitieren, hebt sie sich von Saisonkollektionen ab, die regelmäßig den Sommer beschwören, ohne je zu hinterfragen, was er für jene bedeutet, die ihn im Alltag leben und nicht im Urlaub.
Die Materialien folgen der Bewegung: Viskose, Bambus und Mesh spielen mit dem Körper, mal enthüllt, mal nur erahnt. Manche Stücke verbergen sogar, was sie bedecken: Ein geschlossenes Kleid lässt die ruhige Weite des Ozeans erahnen; geöffnet zeigt es eine Surferin, der ein Hai folgt, ein Spiel des Enthüllens, das für sich genommen die von der Maison gesuchte Spannung zwischen Schamhaftigkeit und Zurschaustellung zusammenfasst.
Auch die Wahl des Ortes ist nicht beiläufig: Indem J.SIMONE nach einer ersten Sommerkooperation im SO/ Paris erneut ein Pariser Rooftop bespielt, entsteht für ihre Präsentationen eine wiederkehrende Geografie, in der die Skyline der Hauptstadt für die Dauer einer Schau an die Stelle des Meereshorizonts tritt, den sie in ihren Kleidern ansonsten heraufbeschwört. Eine Art, Paris selbst zur Strandkulisse stellvertretend zu machen, statt die Authentizität eines echten Surfspots zu suchen.
Mit Uluwatu bietet J.SIMONE weniger eine Flucht als einen bewusst eingegangenen Kompromiss an: den Corporate-Alltag am Strand zu lassen, ohne ihn je ganz zu verlassen.















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